Volkskrankheit Diabetes mellitus 

Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, die sich in einem erhöhten Blutzuckerspiegel und den daraus resultierenden Symptomen und Erkrankungen äußert. Der Name Diabetes mellitus bedeutet soviel wie "Honigsüßer Durchfluss" und wurde bereits in der Antike geprägt. Durch eine Geschmacksprobe konnten Patienten mit Diabetes schon damals sehr leicht identifiziert werden, da der Urin durch die Anreicherung von Glucose einen süßlichen Geschmack aufweist. Die Nierenschwelle liegt bei einem Blutzuckerwert von ca. 180mg/dl - ab dieser Blutzuckerkonzentration beginnen die Nieren den Blutzucker vermehrt über den Urin auszuleiten. 

 

Das Hormon Insulin spielt u.a. eine wichtige Rolle bei der Verwertung von Kohlenhydraten aus der Nahrung. Im Dünndarm werden die Kohlenhydrate so weit aufgespalten, dass sie ins Blut gelangen können. Insulin sorgt im Sinne des Schlüssel-Schloss-Prinzips dafür, dass Glucose aus dem Blut in die Zellen aufgenommen werden kann. Beim Diabetes liegt eine Störung der Insulinwirkung (Insulinresistenz) und/oder eine Störung der Insulinsekretion (Insulinmangel) vor. 

Da der Zucker nicht aus dem Blut in die Zellen abtransportiert werden kann, über die Nahrung aber immer weiter Zucker in das Blut gelangt, erhöht sich der Blutzuckerspiegel, was zu verschiedenen Störungen und Erkrankungen führt. 

Infografik Diabetes mellitus

Man unterscheidet mehrere Diabetes-Typen, die verbreitesten und bekanntesten sind der Typ 1 und der Typ 2 Diabetes. Während der Typ 1 Diabetes meist durch eine Autoimmunerkrankung ausgelöst wird und sowohl genetische als auch Umweltfaktoren eine Rolle spielen, entwickelt sich der Typ 2 Diabetes in der Regel aufgrund einer Kombination aus Übergewicht, mangelnder Bewegung, einer ungesunden Lebensweise und genetischer Disposition. Der Typ 1 Diabetes macht nur ca. 10% der Diabetes-Erkrankungen in Deutschland aus, die restlichen 90% sind dem Typ 2 Diabetes zuzuordnen. Durch die demographische Entwicklung (steigende Anzahl an älteren Menschen) und die Zunahme an übergewichtigen Menschen wird die Anzahl an Diabetes-Patienten in den nächsten Jahren noch weiter ansteigen. Die Volkskrankheit Diabetes ist nicht heilbar, lässt sich mit Medikamenten und Insulin allerdings gut behandeln. 



Diabetes Typ 1 Diabetes Typ 2 Gestationsdiabetes
Ursache 
  • Autoimmunerkrankung 
  • Genetische und Umweltfaktoren
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Ungesunde Lebensweise
  • Genetische Prädospisition
  • Übergewicht
  • Genetische Faktoren
  • Alter zum Zeitpunkt der Schwangerschaft
  • Exzessive Gewichtszunahme in der Schwangerschaft
Zugrunde liegende Störung Insulinmangel (durch Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen) Insulinresistenz,
im Laufe der Erkrankung
häufig zusätzlicher Insulinmangel 
Insulinresistenz durch erhöhte Ausschüttung der verschiedenen Schwangerschaftshormone 
Symptome 
  • Rapide Gewichtsabnahme
  • Exsikose
  • Ständiger Durst
  • Häufiges Wasserlassen
  • Müdigkeit
  • Schwäche
  • Seh- und Konzentrationsstörungen
  • Meist jahrelang ohne Symptome
  • Manchmal Müdigkeit
  • Schwäche
  • Sehstörungen
  • Infektneigung
  • Selten auch vermehrter Durst und häufiges Wasserlassen 
  • Meist beschwerdefrei
  • Manchmal Durstgefühl
  • Harnwegsinfekte
  • Glucosurie
  • Veränderungen in der Fruchtwassermenge
  • Wachstumgsstörungen des Fötus 
Therapie 
  • Insulin 
  • Ernährung und Bewegung 
  • Medikamente
  • Insulin 
  • Ernährung und Bewegung 
  • Insulin 

Vorsorgeuntersuchungen und Folgeerkrankungen bei Diabetes 

Die chronische Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus kann viele Begleit- und Folgeerkrankungen nach sich ziehen, von denen einige einen tödlichen Verlauf nehmen können. In der Regel gilt: Je schlechter der Blutzucker eingestellt ist, desto eher ist mit Folgeerkrankungen zu rechnen. Eine gute Blutzucker-Einstellung ist deswegen das erste Ziel der Diabetes-Behandlung. Um sicherzustellen, dass die Therapie perfekt an den Patienten angepasst ist, müssen in regelmäßigen Abständen Routineuntersuchungen durchgeführt werden. Diese werden vom Diabetologen oder von einem entsprechend geschulten Hausarzt vorgenommen und umfassen die Bestimmung von Gewicht und Blutzuckerwert, die 
Labor-Untersuchung des Blutes zur Bestimmung des HbA1c-Wertes sowie die Besprechung der zu Hause gemessenen Blutzuckerwerte. 
Darüber hinaus sollten Patienten mit Diabetes allerdings auch regelmäßig Fachärzte aufsuchen, die Vorsorgeuntersuchungen zum Ausschluss der häufigsten Folgeerkrankungen durchführen. Einige dieser Untersuchungen können auch vom Diabetologen durchgeführt werden (z. B. grundlegende neurologische Untersuchung, Micraltest, Kreatinin-Wert-Bestimmung).  

Diabetiker beim Ophthalmologen

Die augenärztliche Untersuchung 

Erkrankung: diabetische Retinopathie 

Untersuchungsintervall: 1 x jährlich (bei bereits bestehenden Netzhautveränderungen alle 3-6 Monate)

Bei der Ophthalmoskopie wird der Augenhintergrund mit einem Ophthalmoskop (Augenspiegel) untersucht. Die Retina und die versorgenden Blutgefäße können auf diese Weise gut beurteilt werden. Um die Ophthalmoskopie optimal durchführen zu können, werden dem Patienten meist spezielle Augentropfen verabreicht, die die Pupillen für einen kurzen Zeitraum weiten. 

Da dies die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt, sollten Diabetes-Patienten nicht selbst mit dem Auto zu einer Vorsorgeuntersuchung beim Augenarzt fahren. 

 

Bei der diabetischen Retinopathie handelt es sich um eine Erkrankung der Netzhaut, die durch einen lange bestehenden Diabetes mellitus und eine schlechte Einstellung des Blutzuckerspiegels hervorgerufen wird. Bei dieser Erkrankung werden die kleinen Blutgefäße und somit die Netzhaut geschädigt, was zunächst unbemerkt verläuft. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung kann es allerdings zur Erblindung oder sogar zum Verlust des Auges kommen. 

Man unterteilt die diabetische Retinopathie in die nichtproliferative und die proliferative Retinopathie. Bei der nichtproliferativen Form kommt es nicht zu Gefäßneubildungen, allerdings treten bei dieser Form Mikroaneurysmen, Gefäßundichtigkeiten, Blutungen, Ablagerungen, Netzhautinfarkte und Netzhautödeme auf. 

 

Schreitet die Erkrankung weiter fort, bildet sich eine proliferative Retinopathie aus, bei der es zu Neubildungen krankhafter Blutgefäße kommt. Blutungen (auch in den Glaskörper), Netzhautablösung, Erblindung und Verlust des Auges können die Folge sein. 

 

Da alle Formen der diabetischen Retinopathie in der Regel bis zum Spätstadium symptomlos bleiben, ist eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung dringend notwendig, um rechtzeitig eine Behandlung einleiten zu können. Ebenso wie der Diabetes als solcher ist auch die diabetische Retinopathie nicht heilbar, nur behandelbar. 


Die internistische Untersuchung 

Erkrankung: diabetische Nephropathie 

Untersuchungsintervall: 1 x jährlich 

 

Um Hinweise auf eine diabetische Nephropathie zu erhalten, wird sowohl das Blut als auch der Urin untersucht. Bei der Urinuntersuchung wird überprüft, ob der Körper Albumin mit dem Urin ausscheidet. Die Albuminurie stellt das früheste Anzeichen einer diabetischen Nephropathie dar. In der Regel wird einmal jährlich ein sogenannter Micraltest durchgeführt. Dabei wird mit einem Teststreifen frischer Mittelstrahlurin untersucht, um Mikroalbumin im Urin nachzuweisen. Alternativ oder zusätzlich kann auch eine Laboruntersuchung mit 24-Stunden-Sammelurin durchgeführt werden. 

Darüber hinaus wird eine Blutentnahme durchgeführt und der Kreatinin-Wert bestimmt. Der Kreatinin-Wert ermöglicht eine Einschätzung der Nierenfunktion, da er Aufschluss über die glomeruläre Filtrationsrate gibt. 

 

Bei der diabetischen Nephropathie handelt es sich um eine Erkrankung der Nieren, die auf einen jahrelang schlecht eingestellten Diabetes mellitus zurückzuführen ist. Es kommt zu Veränderungen an den Nierenkörperchen bis hin zur fortgeschrittenen Glomerulosklerose. Durch die Erkrankung wird die Funktion der Nieren immer weiter eingeschränkt. Im Endstadium ist die diabetische Nephropathie dialysepflichtig. 

Diabetische Nephropathie

Neurologische Diabetes-Untersuchung

Die neurologische Untersuchung 

Erkrankung: diabetische Neuropathie 

Untersuchungsintervall: 1 x jährlich (bei bereits bekannter Neuropathie alle 6 Monate)

 

Bei der neurologischen Untersuchung von Patienten mit Diabetes wird standardmäßig auf eine Störung der sensomotorischen Nerven hin untersucht. Da sich diese Erkrankung von den Füßen aus in Richtung Rumpf ausbreitet, wird zunächst  

  • die Schmerzempfindung 
  • die Berührungsempfindlichkeit 
  • das Temperaturempfinden 
  • und das Vibrationsempfinden 


an Fuß und Knöchel des Patienten getestet. Hierfür werden u.a. TipTherm, Monofilament, Nervenrad und Stimmgabel verwendet. Außerdem werden der Knie- und der Achillessehnenreflex mit einem Reflexhammer überprüft. Um festzustellen, ob auch eine Schädigung der autonomen Nerven vorliegt, befragt der Arzt den Patienten zu weiteren Beschwerden, wie z. B. Herzrhythmusstörungen, Übelkeit, Völlegefühl, Schluckstörungen, Blasenschwäche oder Sexualproblemen. Zeigen sich hier Auffälligkeiten, können weitere Untersuchungen, wie z. B. Magenspiegelung, Ultraschalluntersuchung, EKG, Blutdruckmessung, eingeleitet werden. 

Bei der diabetischen Neuropathie handelt es sich um eine Erkrankung der Nerven und um eine der häufigsten diabetischen Folgeerkrankungen. Die genauen Ursachen sind nicht bekannt, man vermutet aber, dass sie u.a. durch einen dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel und die damit verbundene Unterversorgung der Nervenzellen hervorgerufen wird. 

Man unterscheidet zwischen einer peripheren Neuropathie und einer autonomen Neuropathie. Bei der peripheren Neuropathie (oft Polyneuropathie) sind die langen, feinen peripheren Nervenfasern betroffen, was zu einem Verlust der Sensibilität und oft auch zu Missempfindungen führt. In vielen Fällen führt die Polyneuropathie letztendlich zum diabetischen Fußsyndrom. Bei der autonomen Neuropathie sind Teile des vegetativen Nervensystems gestört, wodurch es zu Funktionsstörungen der inneren Organe kommt. Besonders häufig sind Magen (Übelkeit, Schluckstörungen), Blase (Blasenschwäche) und Herz (Herzrhythmusstörungen) betroffen. 

Die Blutzuckermessung 

Die wichtigste Maßnahme im Rahmen der Diabetes-Behandlung ist die häusliche Blutzuckermessung durch den Patienten. Durch die regelmäßige Erstellung von Tagesprofilen mit prä- und postprandialen Messwerten lassen sich der Therapieerfolg und die Auswirkungen verschiedener Faktoren (wie beispielsweise Bewegung, Art der Mahlzeit, Infektionskrankheiten) viel besser einschätzen. Werden die Messwerte vom Patienten konsequent erhoben und die Auswertung durch den behandelnden Arzt korrekt durchgeführt, kann die Therapie dadurch optimal an den Patienten angepasst werden. 

Die Häufigkeit der Blutzuckermessung hängt vor allem von der verordneten Therapie ab. Unter Insulin ist eine viel engmaschigere Kontrolle notwendig als bei einem unter Ernährung und Bewegung gut eingestellten Diabetes-Patienten. Während bei gut eingestellten Patienten ohne Medikamente ein Tagesprofil einmal in der Woche ausreicht, kann es bei Patienten mit Insulin-Therapie notwendig sein, jeden Tag bis zu 7 Mal zu messen.

Zur Blutzuckerkontrolle steht ein breites Spektrum an Blutzuckermessgeräten zur Auswahl, die sich u.a. in Form, Handhabung, Messtechnologie und technischen Details (z. B. Möglichkeit der Datenübertragung) unterscheiden. Besonders beliebt sind die unterschiedlichen Blutzuckermessgeräte der Marke Accu-Chek von Roche, aber auch Messgeräte von Beurer werden gerne verwendet.  

Blutzucker messen

Welches Messgerät sich am besten für welchen Patienten eignet, sollte nach dem Alter des Patienten, der Messhäufigkeit und ggf. nach seinem technischen Interesse entschieden werden. Einfache Blutzuckermessgeräte mit großem Display eignen sich erfahrungsgemäß besser für ältere Patienten, kleine, moderne Messgeräte mit Übertragungs- und Auswertungsmöglichkeiten für die gemessenen Werte werden in der Regel von jüngeren, berufstätigen Patienten bevorzugt.

Um einen möglichst präzisen Blutzuckerwert zu erhalten, ist es wichtig, einige Dinge zu beachten: 

  • Die Hände vor der Messung waschen: Nahrungsreste an den Händen können den Wert verfälschen (z. B. Marmelade)
  • Die Hände nach dem Waschen gründlich abtrocknen, damit das Blut nicht durch Wasser verdünnt wird 
  • Alle benötigten Utensilien zur Blutzuckermessung müssen griffbereit liegen 
  • Für jede Messung eine neue Lanzette verwenden
  • Vor der Messung hilft es meist, die Hände aneinander zu reiben, auszuschütteln oder zu massieren, um die Blutzirkulation in den Finger anzuregen 
  • Den Teststreifen erst kurz vor der Messung in das Gerät einlegen und die Dose sofort wieder schließen!
  • Nach der Punktion des Fingers mit der Stechhilfe sehr vorsichtig ein wenig Blut herausmassieren (starkes Drücken und Quetschen fördert den Austritt von Gewebeflüssigkeit, die den Blutzuckerwert verfälscht)
  • Sollte nicht genug Blut austreten, muss die Einstichtiefe der Stechhilfe erhöht werden  
 

Die Diabetes-Therapie 

Welche Therapie bei einem Diabetes-Patienten angewendet wird, richtet sich zum einen nach dem vorliegenden Diabetes-Typ und zum anderen nach den aktuellen Blutzuckerwerten. 

Während ein Patient mit einem Typ 1 Diabetes grundsätzlich nur mit Insulin behandelt wird und hier in der Regel auch eine Pumpe zum Einsatz kommt, kann bei Patienten mit Diabetes Typ 2 zwischen einer Umstellung der Ess- und Bewegungsgewohnheiten, einer medikamentösen Therapie und einer Insulin-Therapie abgewogen werden. 

Auch bei Patientinnen mit einem Gestationsdiabetes kann auf eine Ernährungs- und Bewegungstherapie gesetzt werden, wenn sich die Blutzuckerwerte dadurch gut kontrollieren lassen. Ist dies nicht der Fall, muss Insulin zum Einsatz kommen. 

 

Insulin kann auf verschiedene Arten appliziert werden. Zum einen können eine Insulinspritze und eine Insulinkanüle verwendet werden. Das Insulin wird aus der Flasche in die Spritze aufgezogen, anhand der Skala lässt sich die richtige Menge an Einheiten sehr gut ablesen. Die Gefahr hierbei liegt darin, die richtige Spritze mit der passenden Skala für das Insulin zu verwenden. Wird ein U100 Insulin mit einer U40 Spritze aufgezogen, ist die Gefahr einer Unterzuckerung hoch. Während im umgekehrten Fall das Insulin zu niedrig dosiert ist. 

Insulin spritzen

Bei der Verwendung eines Insulin-Pens ist diese Gefahr nicht gegeben, da Pen-Ampullen grundsätzlich nur U100 Insulin enthalten. Auch ist die Handhabung für den Patienten meist angenehmer, weswegen Pens von den meisten Patienten bevorzugt werden. 

 

Die Insulin-Pumpe erlaubt eine präzise und über den Tag hinweg genau dosierte Abgabe von Insulin und wird deswegen in der Therapie von Typ 1 Diabetikern eingesetzt. 

 

Bei Praxisdienst finden Sie verschiedene Insulinspritzen und Insulinkanülen zur Insulin-Injektion sowie Abwurfbehälter zur Entsorgung von Kanülen, Spritzen und Pen-Nadeln zu günstigen Preisen.